Rücktritt - kurz
Sehr geehrter Besucher,
liebe Arztkollegen,
die katholische Ärztevereinigung BKÄ nimmt Stellung zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI.
Gerade die öffentlichen, offiziellen Forderungen zum 'Welttag der Kranken 2013' lassen uns diese Begriffe
- 'Barmherzigkeit' und
- 'Dem Gutes tun, der leidet' (Kongress Uni Eichstätt)
als eine Richtschnur für die Haltung gegenüber der Person und der Gesundheit und eben der herben Entscheidung von Papst Benedikt XVI sehen.
Überraschung
So haben wir die Rücktrittsankündigung mitbekommen:
Liebe Kolleginnen und Kollegen vom Bund Katholischer Ärzte,
a) beim Pontifikalamt zum Welttag der Kranken in der Stifstkirche ALTÖTTING am Vormittag des gestrigen 11. Februars bekam Erzbischof Zygmont Zymowski von Nuntius EB Jean-Claude Perisset die Ernennungsurkunde von Patst Benedikt XVI zum Sondergesandten für die Krankenpastoral und den Welttag der Kranken überreicht.
Papst Benedikt war hierdurch und durch das Motto des diesjährigen Welttages der Kranken "Barmherziger Samariter" uns innerlich geistig ganz nah.
b) Während der Rückfahrt nach München (12.15) kam dann über Radio Horeb die überraschende Meldung, daß der heilige Vater seinen Rücktritt eingereicht hatte.
Auruf an Ärzte:
' Was halten Sie vom Rücktritt von Papst Benedikt XVI aus ÄRZTLICHER Sicht?
Ich sehe diesen Schritt als fällig und positiv.
Man konnte sehen, wie unser Papst ständig schwächer wird.
Aus arbeitsmedizinischer Sicht hat Josef Ratzinger ein Recht auf einen würdigen, barmherzigen Lebensabend.
Ein solcher Mann darf nicht "verheizt" werden.
Gerade im Hinblick auf den Welttag der Kranken und die immer wieder geforderte Barmherzigkeit mit den Kranken sollten wir ehrlich Rücksicht nehmen auf Benedikts Gebrechen (Sehprobleme, Gewichtsverlust !! etc. )
Also:
Wie soll die ärztlich begründete Meinung von uns BKÄ-Ärzten zu Papst Benedikts Rücktritt sein? (Kurz!)
Hat jemand noch einen Kommentar aus ärztlicher Sicht , vielleicht auch von unseren Erwartungen an den Nachfolger?
Lassen Sie uns für Papst Benedikt und seinen Nachfolger beten!
Antworten der Ärzte
1) Allgemeinarzt aus München:
Der Rücktritt des Papstes wegen Altersschwäche ist eine für alle Zukunft richtungsweisende Entscheidung, denn sie bricht mit dem in den Kommentaren oft erwähnten Prinzip des Dienstes usque ad mortem.
Dieses war wichtig, solange die Person des Papstes, mehr als seine Entscheidungen politisch galt. Da in den heutigen Krisenzeiten aber seine Entscheidungen und seine Arbeitskraft wesentlich werden, ist ein leistungsunfähiger Papst kein Vorbild mehr.
Rücktritte wegen Krankheit waren schon in den vergangenen Jahren erwogen worden, als Krankheiten päpstliches Handeln einschränkten.
Es ist dem Glauben, der Klarsicht, und Besonnenheit des Papstes zu verdanken, durch eine Tat mit der Tradition zu brechen und damit auch zukünftig solche Entscheidungen zu erleichtern.
Wesentlich scheint mir dass es die eigene und keine fremde Entscheidung ist.
Medizinische Rechtfertigungen, und Urteile würden mich stören.
Krankheiten, z.B, Parkinson müssen kein Hindernis sein, wenn der Papst sich leistungsfähig weiß. Es bleibt, nach heutigem Stand der Dinge, die alleinige und wahrscheinlich einsame Entscheidung des Papstes nach Abwägung seiner eigenen Kräfte, gegen die Größe der Aufgabe. - Dr.H.
2) Ärztin aus Oberbayern:
a) Mein medizinischer Verstand sagt ja und zollt Respekt vor der Erkenntnis der Konsequenzen altersbedingter Schwäche;
b) mein Herz weint und fragt sich ob hier nicht ein Mensch zu intelligent war, um wirklich an die Kraft der Amtsgnade zu glauben.
Vielleicht liegt der tiefere Sinn darin, dass er befreit vom Alltagsverwaltungsgeschäft jetzt als theologischer Lehrer der Christenheit noch ein Forum in Rom finden kann-
wenn der Nachfolger so großzügig ist ihm dies zu zugestehen.
Ich stelle mir z.B. vor Gebet zur Todesstunde des Herrn um 15.00 mit dem
Ex-Papst mit anschliessender Katechese.
Würdigung
Ein Münchner Orthopäde schreibt:
... vielen herzlichen Dank für den gelungenen Vortrag (5.3.2013) über unseren lieben Papst Benedikt XVI und seinen Bick auf heutigen schwierigen Zeiten und sein Verhältniss zum Mensch- als Gotteswerk, Geselschaft und uns, Ärzten, bescheidenen Heilern im täglichen Einsatz.
Ich denke, die heutige pseudo pluralistisch-egoistische Gesellschaft könnte mit ihren dekandenten Neigungen, die Folgen ihre eigene Gedanke und Taten nicht mal objektiv-historisch abschätzen-
und Verantwortung für die Folgen so einer meistens noch dazu provokant-arroganter Handlung übernehmen.
In hellem Kontrast stehen dazu die klaren Botschaften unseren bayerischen Papstes,
- der nicht nur das Beste und Fortschritliches aus der deutschen und europäschen Philosophie kritisch übernommen hat,
- sondern humanistisch Wegweisungen weiterentwickelt, und theologisch - in Hinblick auf mehreren Jahrhunderten und zwei Jahrtausenden zurückliegenden christliche, europäische und Welt- Geschichte,
auf allerhöchstem Niveau,
- vergleichbar mit bedeutenden Kirchenlehrer-, hat und Wort Gottes heutzutage uns zukommen lies.
Aber einige wollen es einfach weiterhin sturr und taub nicht hören...
Wünsche Ihnen alles Gute
herzlichst, Ihr J.
Skeptische Meinung
2) Skepsis einer Kollegin aus Köln:
... sollen wir dazu eine 'Meinung äußern?
Wir können respektieren, anerkennen, hochachten......
Tatsächlich können wir als Mediziner natürlich Gründen Nachdruck verleihen und sie medizinisch bestätigen – aber das Papstamt ist ja in diesem Sinne eben kein menschliches – sonst hätten wir mit Argumenten des Arbeitsrechts, der Betriebs- und Arbeitsmedizin schon 2005 auf die Barrikaden gehen müssen!
Da sollten wir nicht unsere Meinung äußern sondern einmal etwas stehen lassen, was nicht von uns beurteilt werden muss..... Dr. B.
Antwort von Dr. W.:
"Es geht ja nicht darum, unbedingt unseren 'ärztlichen Senf' dazu zu geben.
Wir ÄRZTE sollen Verständnis zu Benedikts Haltung zeigen und achtsam auf dessen gesundheitliche Zeichen (Verhärmtes Gesicht, Abmagerung, Sehschwäche) schauen.
Und wir ÄRZTE sollen der gesundheitlichen, körperlich-geistigen Realität ins Auge blicken und als Berater vom Mensch Josef Ratzinger und der großen katholischen Kirche dienen. - Und eben keinem Wunschdenken oder Verharmlosen von Fakten das Wort reden.
Ich denke daher, daß gerade wir katholischen Ärzte uns eine Meinung bilden und mitreden müssen.
Ich gebe Ihnen, liebe Frau Kollegin, sogar Recht:
Wir Ärzte hätten bereits 2005 beim Leiden von Papst JPII 'auf die Barrikaden' gehen müssen.
Arbeitsrecht und Betriebsmedizin gelten m.E. auch für einen Papst!
Wir müssten uns auch fragen, in welcher Gefahr das Papstamt und damit auch die Kirche bei einem kranken, gebrechlichen, sehschwachen … 'Kapitän des Schiffs KIRCHE' in solch einem Fall sind.
Sie sehen, ich bin nicht sentimental, sondern möchte als ARZT barmherzig sein und für alle unsere Patienten eintreten - auch für einen Papst, dessen Hauptaufgabe primär nicht noch Leiden und Ertragen sein darf, sondern der führen muss.
Und schließlich soll eine Erneuerung der Kirche nicht nur dann passieren dürfen, wenn nach langem Siechtum endlich ein Heiliger Vater tot ist.
Und in diesem Zusammenhang plädiere ich für eine Wahl eines jüngeren Papstes, der in dieser Zeit aufgewachsen und leistungsfähig ist.
Und auch für eine zeitlich begrenzte Dienstzeit, um nicht in die Gefahr eine Schwäche des Papstamtes zu kommen und um die Senioren nicht zu sehr zu strapazieren oder gar zu 'verheizen', auszubeuten, mit ihrer körperlichen oder mentalen Schwäche zu spielen.
Das sage ich als Arzt und glaubenstreuer Katholik, gerade im Hinblick auf die Feier des diesjährigen Welttags der Kranken und seine klaren Foerderungen an Ärzte, Seelsorger, Angehörige!
Schluß
Vielen Dank für Ihr Interesse!
Mit freundlicher Empfehlung
gez.
Dr. (I) Gero Winkelmann,
(Leiter der BKÄ-Ärztevereinigung)
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